{"id":621,"date":"2018-02-12T23:28:24","date_gmt":"2018-02-12T23:28:24","guid":{"rendered":"http:\/\/praxis-beylich.de\/?page_id=621"},"modified":"2025-08-01T13:51:41","modified_gmt":"2025-08-01T11:51:41","slug":"diabetes-mellitus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/praxis-beylich.de\/?page_id=621","title":{"rendered":"Diabetes mellitus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Diabetes mellitus<\/strong><\/p>\n<p>Der Diabetes mellitus geh\u00f6rt mittlerweile zu den h\u00e4ufigsten Zivilisationskrankheiten weltweit, und er ist auf dem besten Wege, in der Todesursachenstatistik die Nummer Eins zu werden.<br \/>\nNach internationalen Studien werden im Jahre 2030 weltweit etwa 552 Mio. Erwachsene an Diabetes erkrankt sein, was etwa 4,6 Mio. in Deutschland entspricht. Dabei liegen diese Zahlen vermutlich deutlich zu niedrig, denn die Zunahme der Erkrankung in den letzten Jahren erfolgte nicht linear. Tragisch ist dabei, dass Diabetiker je nach Alter der Feststellung zehn und mehr Jahre fr\u00fcher sterben als Nicht-Diabetiker.<br \/>\nUm die ganze Problematik des Diabetes verstehen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir einen keinen Ausflug in den Stoffwechsel unternehmen.<\/p>\n<p><strong>Blutzucker bei Gesunden<\/strong><\/p>\n<p>Kohlenhydrate werden durch die Verdauung soweit abgebaut, dass sie in Form von Zucker bzw. Glu-kose von den Schleimhautzellen im D\u00fcnndarm aufgenommen und in das Blut abgegeben werden. Das Blut transportiert die Glukose zuerst in die Leber und danach zu den einzelnen Zellen der Organe und Gewebe. Gelangt Glukose in das Blut, steigt der Blutzuckerspiegel an,und die Bauchspeicheldr\u00fc-se gibt verst\u00e4rkt Insulin ab. Insulin sorgt daf\u00fcr, dass die Glukose als Energiespender in die Zellen ein-geschleust wird und sich dadurch der Blutzuckerspiegel wieder absenkt. Alle Zellen verf\u00fcgen auf ihrer Oberfl\u00e4che \u00fcber viele Insulinrezeptoren. Insulin ist dabei der \u201eSchl\u00fcssel\u201c, der die Zellen f\u00fcr die Gluko-se aufschlie\u00dft. Glukagon, der Gegenspieler des Insulins, wird von der Bauchspeicheldr\u00fcse vermehrt ausgesch\u00fcttet, wenn sich im Blut wenig Zucker befindet (niedriger Blutzuckerspiegel). Glukagon be-wirkt, dass in der Leber vermehrt Glukose gebildet (Glukoneogenese), ins Blut abgegeben und da-durch eine Unterzuckerung verhindert wird. Durch das Zusammenspiel der beiden gegens\u00e4tzlich wirkenden Hormone ist der K\u00f6rper normalerweise in der Lage, ohne gro\u00dfe Schwankungen die Ver-sorgung des K\u00f6rpers mit Glukose, d.h. mit Energie zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-640\" src=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Regelkreis-Zucker.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p><strong>Blutzucker bei Diabetes<\/strong><\/p>\n<p>Streng genommen unterscheidet man zwischen Diabetes Typ I und Diabetes Typ II. W\u00e4hrend der erstere genetisch bedingt ist und uns in diesem Beitrag nicht interessieren soll, ist der zweite stark von unseren Lebensgewohnheiten abh\u00e4ngig.<br \/>\nDer Diabetes Typ 2 entwickelt sich schleichend und meist \u00fcber viele Jahre hinweg. In der Anfangsphase der Erkrankung produzieren die Beta-Zellen der Bauchspeicheldr\u00fcse noch gen\u00fcgend Insulin. Mit der Zeit aber werden die Zellen der Muskeln, Leber und des Fettgewebes unempfindlicher gegen\u00fcber Insulin (Insulinresistenz). Das bedeutet, dass das Hormon immer weniger in der Lage ist, den Zucker aus dem Blut in die Zellen einzuschleusen. Als \u201eAntwort\u201c versucht die Bauchspeicheldr\u00fcse, diese St\u00f6rung durch eine verst\u00e4rkte Insulinproduktion auszugleichen. Die Insulinmenge im Blut der Betroffenen kann daher in dieser Phase der Erkrankung durchaus normal, manchmal sogar erh\u00f6ht sein. Zun\u00e4chst zeigt sich ein \u00fcberh\u00f6hter und verl\u00e4ngerter Blutzuckeranstieg nach der Zufuhr von Kohlenhydraten (gest\u00f6rte Glukosetoleranz). In diesem Stadium ist der Diabetes Typ 2 mit Bewegung, Gewichtsabnahme und ggf. zus\u00e4tzlich Tabletten h\u00e4ufig noch gut in den Griff zu bekommen. Nach vielen Jahren der st\u00e4ndigen Insulin-Mehrproduktion l\u00e4sst die Funktion der Insulin produzierenden Beta-Zellen zunehmend nach, und die Insulin-Produktion kommt schlie\u00dflich v\u00f6llig zum Erliegen. Dann muss sich der Betroffene das Insulin von au\u00dfen zuf\u00fchren, d. h. Insulin spritzen. So wird aus dem relativen Insulinmangel zu Beginn des Diabetes Typ 2 (Insulinresistenz) ein absoluter Insulinmangel. Ein Mangel an Insulin bedeutet, dass immer weniger Glukose aus dem Blut in die K\u00f6rperzellen gelangt, sodass die Blutzuckerwerte ansteigen und schlie\u00dflich das Vollbild des Diabetes erreicht wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-639\" src=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Zuckerstoffwechsel-normal-D1-D2.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"360\" \/><\/p>\n<p><strong>Mangel an Darmhormonen als Ursache eines gest\u00f6rten Zuckerhaushalts<\/strong><\/p>\n<p>Bei Diabetes Typ 2 kommt hinzu, dass bestimmte k\u00f6rpereigene Darmhormone, wie das GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1), nicht in ausreichendem Ma\u00dfe gebildet werden. GLP-1 wird im Darm produziert und bei der Nahrungsaufnahme ins Blut freigesetzt. Es wird jedoch relativ rasch durch ein Enzym namens DPP-4 (Dipeptidylpeptidase-4) im K\u00f6rper abgebaut. Das GLP-1-Hormon wirkt regulierend auf den Zuckerstoffwechsel, indem es die Produktion von Insulin in der Bauchspeicheldr\u00fcse stimuliert, die Produktion von Glukagon hemmt, die Entleerung des Magens verz\u00f6gert und das S\u00e4ttigungsgef\u00fchl stimuliert. Ein Mangel an GLP-1 ist somit die Ursache einer gest\u00f6rten Zuckerverwertung im K\u00f6rper.<\/p>\n<p><strong>Die Funktion der Niere<\/strong><\/p>\n<p>Die Niere erf\u00fcllt drei Schl\u00fcsselfunktionen im Glukosestoffwechsel: Sie produziert selbst Glukose, verwertet aber auch Glukose f\u00fcr den eigenen Stoffwechsel, und sie ist verantwortlich f\u00fcr das Zur\u00fcckgewinnen (R\u00fcckresorption) gro\u00dfer Mengen an Glukose aus dem Harn.<br \/>\nLetzteres ist der entscheidende Punkt: Beim gesunden Menschen ist diese R\u00fcckgewinnung ein wichtiger Mechanismus, der verhindert, dass der Blutzucker mit dem Harn ausgeschieden wird und somit dem K\u00f6rper als wertvoller Energielieferant zur Aufrechterhaltung der K\u00f6rperfunktionen verloren geht.<br \/>\nDoch bei Patienten mit Diabetes Typ 2 besteht bekanntlich ein \u00dcberfluss von Zucker im Blut. Dazu kommt, dass paradoxerweise bei Typ 2 Diabetikern die R\u00fcckresorption von Blutzucker erh\u00f6ht ist. Die Ursache hierf\u00fcr liegt darin, dass das Transportprotein SGLT-2 (Sodium-glucose-contransporter-2), das f\u00fcr das Zur\u00fcckgewinnen von Zucker aus dem Urin verantwortlich ist, bei Typ 2 Diabetikern vermehrt auftritt. Damit tr\u00e4gt die Niere bei Typ 2 Diabetikern dazu bei, den erh\u00f6hten Blutzuckerspiegel aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p><strong>Ursachen des Diabetes Typ II<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend man fr\u00fcher davon ausging, dass Diabetes in erster Linie durch eine zu hohe Aufnahme von Kohlenhydraten hervorgerufen w\u00fcrde oder durch ein langsames Versiegen der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldr\u00fcse entst\u00fcnde (Altersdiabetes), gilt es heute als gesichert, dass eine Vielzahl von zivilisatorischen Einfl\u00fcssen f\u00fcr die Entstehung dieser Erkrankung verantwortlich ist.<br \/>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-510\" src=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/diabetes_type1_2Ursachen-e1520257785642.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"616\" \/><br \/>\nSo f\u00fchren \u00dcberern\u00e4hrung, Fehlern\u00e4hrung, Bewegungsmangel, Nikotin- und Alkoholmissbrauch zu erh\u00f6htem Blutdruck, \u00dcbergewicht und Fettstoffwechselst\u00f6rungen, die ihrerseits wieder zu teils erheblichen Stoffwechselver\u00e4nderungen f\u00fchren k\u00f6nnen. Ebenso k\u00f6nnen aber krankhafte Ver\u00e4nderungen<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-509\" src=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Diabetes-GLP-1.jpg\" alt=\"\" width=\"526\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Diabetes-GLP-1.jpg 526w, https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Diabetes-GLP-1-300x206.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 526px) 100vw, 526px\" \/><br \/>\ng\u00e4nzlich oder zumindest lange Zeit ausbleiben. Andererseits ist die Chance, an einem Diabetes zu erkranken, bei entsprechender famili\u00e4rer Vorbelastung auch bei ges\u00fcnderer Lebensweise deutlich gr\u00f6\u00dfer, was aber nicht zwangsl\u00e4ufig bedeuten muss, dass ein Mensch mit dieser Vorbelastung <em>und<\/em> ung\u00fcnstiger Lebensweise einen Diabetes entwickeln muss. Allerdings sind etwa 66% aller Typ 2-Diabetiker famili\u00e4r vorbelastet.<\/p>\n<p><strong>Diagnose des Diabetes<\/strong><\/p>\n<p><em>Die Kriterien f\u00fcr einen Diabetes mellitus sind klar definiert und orientieren sich am Risiko f\u00fcr die Entwicklung einer diabetischen Retinopathie.<\/em> (Netzhautver\u00e4nderung)<br \/>\nDie Diagnosenstellung orientiert sich am Vorhandensein einer chronischen Hyperglyk\u00e4mie (zu hoher Blutzucker). Da die Glukosekonzentration auch beim stoffwechselgesunden Menschen stark schwankt, geht man hier immer einen Kompromiss ein. Die aktuell g\u00fcltigen Kriterien sind in der folgenden Grafik dargestellt.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-515\" src=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/diabetesSymptome.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"550\" \/><br \/>\nEine zentrale Stelle nimmt bei der Diagnostik die Blutglukose-Messung ein, sowohl n\u00fcchtern, als auch postprandial (nach dem Essen). Komplettiert werden diese Messungen durch orale Glukosebelastungs-Tests (oGTT = oraler Glukose Toleranz-Test) und Messungen des Langzeit-Blutzuckers (HbA1c). <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Wenig hilfreich sind dagegen die von vielen Patienten praktizierten Messungen des N\u00fcchtern-Blutzuckers (NBZ).<\/span><\/strong> Dar\u00fcber hinaus wird oftmals nicht bedacht, dass Fl\u00fcssigkeitsmangel ebenso wie zahlreiche Medikamente (Paracetamol, Vitamin C, Acetylsalicyls\u00e4ure = Aspirin, ASS) sowie erh\u00f6hte Blutfett-, Harns\u00e4ure- oder Gallenfarbstoffwerte die Messungen verf\u00e4lschen.<\/p>\n<p><strong>Behandlung des Diabetes<\/strong><\/p>\n<p>An der zentralen Stellung der Diabetes-Di\u00e4t hat sich in den letzten Jahrzehnten nichts ge\u00e4ndert, aber sie wurde erheblich modifiziert und durch k\u00f6rperliche und geistige Aktivit\u00e4t erg\u00e4nzt.<br \/>\n1. Blutzuckerselbstmessung<br \/>\nDie Selbstmessung der Plasmaglukose ist ein wichtiger Bestandteil des Diabetes-Managements. Grunds\u00e4tzlich sollte einer Selbstmessung jedoch eine qualifizierte Schulung durch das Praxispersonal vorausgehen.<br \/>\nAufw\u00e4ndiger und teurer als die Selbstmessung ist das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM = Continuous Glucose Monitoring), bei dem rund um die Uhr alle f\u00fcnf Minuten der Glukosegehalt in der Gewebefl\u00fcssigkeit des Unterhautfettgewebes gemessen wird.<br \/>\nNeueste Entwicklung ist ein Sensor, der auf dem Oberarm getragen wird und \u00fcber eine kleine Sonde die Glukosekonzentration im Unterhautgewebe misst. Um die Werte im Verlauf der vergangenen acht Stunden zu ermitteln, muss nur noch ein Scanner in die N\u00e4he des Sensors gebracht werden. Der Stich in die Fingerbeere f\u00fcr eine einzelne Messung wird damit entbehrlich.<br \/>\n2. Die Patientenschulung<br \/>\nSetzte man fr\u00fcher vor allem auf die Vermittlung von Grundlagenwissen \u00fcber das Krankheitsbild Diabetes, so versucht man heute, Patientenschulungen m\u00f6glichst praxisnah und erlebnisorientiert zu gestalten und die psychosozialen Komponenten deutlich mehr zu betonen. Die Betroffenen sollten ihre eigenen, pers\u00f6nlichen Beratungsziele formulieren, die sie anschlie\u00dfend mit im Kurs erlerntem Wissen und Verhaltensweisen zu erreichen versuchen.<br \/>\nDer Kerngedanke jeder Patientenschulung ist das sogenannte &#8222;Empowerment&#8220;. Damit ist gemeint, <span style=\"color: #ff00ff;\"><em>Motivation zu entwickeln, um das eigene Leben mit dieser chronischen Erkrankung selbst in die Hand zu nehmen.<\/em> <\/span>Betroffene sollen die Krankheit als Teil ihres Lebens akzeptieren und in einem n\u00e4chsten Schritt in ihren Alltag integrieren. Die Inhalte der Schulung sind deshalb neben einigen Grundlagen zu Diabetes prim\u00e4r auf die Herausforderungen des Alltags ausgerichtet. So stehen zum Beispiel die richtige Durchf\u00fchrung von Selbstkontrollma\u00dfnahmen (Plasmaglukose- und Blutdruckmessungen, Fu\u00df-Inspektion usw.) und richtiges Verhalten in Notsituationen (Unterzuckerung, schwere \u00dcberzuckerung, Infektionen) auf dem Programm. Auch rechtliche und soziale Fragen \u00fcber Versicherungen, Beruf oder zum Beispiel Fahrt\u00fcchtigkeit sollen ausf\u00fchrlich diskutiert werden. Die richtige Ern\u00e4hrung und Informationen zum Thema Bewegung und Sport bilden weitere Themenschwerpunkte.<br \/>\nDa \u00dcbergewicht und mangelnde Bewegung zu den Hauptursachen f\u00fcr Typ-2-Diabetes geh\u00f6ren, sind Schulungsprogramme f\u00fcr diese Patientengruppe besonders auf langfristige Umstellungen des Lebensstils ausgelegt. So werden Ern\u00e4hrungs- und Bewegungspl\u00e4ne erstellt und praktisch einge\u00fcbt.<br \/>\n3. Die Ern\u00e4hrung<br \/>\nEine sinnvolle Ern\u00e4hrungstherapie spielt bei Diabetes mellitus eine entscheidende Rolle. Wichtig ist dabei, auf die individuellen Bed\u00fcrfnisse der Patienten einzugehen. Eine diabetesgerechte Ern\u00e4hrung entspricht weitestgehend einer ausgewogenen vollwertigen Mischkost, wie sie von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung (DGE) empfohlen wird. K\u00f6rpergewichtsreduktion und Lebensstil\u00e4nderung sind die prim\u00e4ren Behandlungsziele bei Typ-2-Diabetikern. Und nach wie vor gilt der alte Grundsatz: Mehrere kleine Mahlzeiten sind besser, als wenige gro\u00dfe. Und wenn gr\u00f6\u00dfere Mahlzeiten eingenommen werden, dann sollte zwischen ihnen eine Pause von wenigstens f\u00fcnf Stunden sein.<br \/>\n4. Die Bewegung<br \/>\nWeiter oben hatten wir gelernt, dass ein Gro\u00dfteil der Glukose in der Muskulatur verbrannt wird. Allein daraus ergeben sich zwei Hauptforderungen f\u00fcr den Diabetiker (aber nicht nur f\u00fcr ihn!). Erstens: Viel Bewegung verbrennt viel Zucker. Zweitens: Mehr Muskulatur verbrennt mehr Zucker. Im Idealfalle bedeutet das zum einen, den Muskelaufbau f\u00f6rdern, zum anderen aber die Muskeln dazu zwingen, mehr Zucker zu verbrennen. Und das tun sie erst bei einer <span style=\"color: #ff00ff;\"><em>Dauerbelastung von mehr als 20 Minuten<\/em><\/span>.<br \/>\n4. Medikament\u00f6se Therapie<br \/>\nLeider, so muss man heute sagen, wird von Seiten der Patienten dieser Option immer noch die gr\u00f6sste Bedeutung beigemessen. Dennoch sollten erst alle \u00fcbrigen M\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft werden, bevor man \u00fcber eine rein medikament\u00f6se Behandlung nachdenkt &#8211; mit einer Ausnahme. Wenn wir uns die obigen Zeichnungen ansehen, dann ergeben sich neuerdings, mehrere interessante M\u00f6glichkeiten, einen erh\u00f6hten Blutzucker zu senken.<br \/>\n<em>Medikament\u00f6se Therapie<\/em><br \/>\nHier ist, wenn wir von einer modernen Diabetestherapie ausgehen, zuallererst das Metformin zu nennen. Es wirkt nicht nur blutzuckersenkend, sondern es scheint so, als ob es sowohl g\u00fcnstige Effekte auf die Insulinresistenz hat als auch eine gewisse regenerierende Wirkung auf die Insulin produzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldr\u00fcse. Aus diesem Grunde wird dieses Medikament heute gerne schon sehr fr\u00fchzeitig eingesetzt.<br \/>\nIn diese Gruppe geh\u00f6ren auch die modernen DPP-4-Hemmer, die mit ihrer Wirkung direkt an der Betazelle ansetzen.<br \/>\nUnd schliesslich ist an aktuellen Medikamenten noch ein SGLT-2-Hemmer interessant, der die Glukoser\u00fcckresorption (Zuckerr\u00fcckgewinnung) in der Niere blockiert.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-681\" src=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Orale-Antidiabetika.png\" alt=\"\" width=\"1022\" height=\"1222\" srcset=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Orale-Antidiabetika.png 1022w, https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Orale-Antidiabetika-251x300.png 251w, https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Orale-Antidiabetika-768x918.png 768w, https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Orale-Antidiabetika-856x1024.png 856w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><br \/>\n<em>Injektionstherapie<\/em><br \/>\nAls injizierbare Medikamente (&#8222;Spritzen&#8220; oder Pens) stehen zum einen verschiedene u.a. als Exenatide bezeichnete Medikamente zur Verf\u00fcgung als auch Insuline.<br \/>\nZur ersten Gruppe geh\u00f6ren die DPP-1- und DPP-4-Hemmer. Bei den Insulinen unterscheiden wir haupts\u00e4chlich kurz- und langwirksame Pr\u00e4parate. Die fr\u00fcher beliebten Mischinsuline werden heute nur noch wenig eingesetzt.<br \/>\nAusser beim Insulin tritt eigentlich bei fast allen anderen modernen Pr\u00e4paraten ein f\u00fcr viele Patienten positiver Nebeneffekt auf: eine mehr oder weniger deutliche Gewichtsabnahme (im Mittel 3 kg, in Einzelf\u00e4llen aber auch deutlich mehr). Das ist allerdings ein wenig abh\u00e4ngig vom Essverhalten und den Lebensgewohnheiten. Ein zweiter Vorteil ist, dass es auch ein Medikament gibt, das nur einmal w\u00f6chentlich gespritzt werden muss.<br \/>\nInsuline werden dann erforderlich, wenn die Betazellen selbst kein oder nur noch wenig Insulin zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnen. Der Vorteil der Insuline ist, dass man damit den Blutzucker recht gut und genau einstellen kann &#8211; wenn man es denn auch genau nimmt. Der Nachteil: Viele Patienten legen etwas Gewicht zu, und man muss Insuline in der Regel mehrmals am Tag spritzen.<\/p>\n<p><strong>Folgeerkrankungen des Diabetes<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend man \u00fcber viele Jahrzehnte den Diabetes als Stoffwechselkrankheit ansah, muss man nach heutigen modernen Betrachtungsweisen beim Diabetes eigentlich von einer Kreislauferkrankung sprechen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-512\" src=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Diabetes-Kompl.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"963\" srcset=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Diabetes-Kompl.jpg 1024w, https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Diabetes-Kompl-300x282.jpg 300w, https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Diabetes-Kompl-768x722.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><br \/>\nSt\u00e4ndige hohe Blutzuckerwerte und noch mehr die nach den Mahlzeiten auftretenden Zuckerspitzen (Spikes) f\u00fchren zu teilweise massiven Ver\u00e4nderungen im Blutgef\u00e4\u00dfsystem, die sich als Makroangiopathie oder auch als Mikroangiopathie darstellen.<br \/>\nUnter Makroangiopathie versteht man Ver\u00e4nderungen der gro\u00dfen Gef\u00e4\u00dfe, wobei darunter auch noch relativ kleine Gef\u00e4\u00dfe wie Herzkranzgef\u00e4\u00dfe, Arterien des Gehirns oder die Penisarterien beim Mann geh\u00f6ren.<br \/>\nAls Mikroangiopathie bezeichnet man dagegen Ver\u00e4nderungen der kleinen und kleinsten Gef\u00e4\u00dfe, wie wir sie zum Beispiel in den Nieren, der Netzhaut oder im Bereich der sogenannten Kapillaren finden.<br \/>\nDie Folgen f\u00fcr den Diabetiker sind fatal. Die Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nde werden gesch\u00e4digt, es kommt zur Einlagerung von Fetten in die Gef\u00e4\u00dfwand. Das f\u00fchrt dazu, dass die innerste Schicht der Gef\u00e4\u00dfwand aufrei\u00dft, sich dort Blutpl\u00e4ttchen ablagern, quasi um den Defekt zu reparieren, aber gleichzeitig damit den freien Durchmesser der Blutgef\u00e4\u00dfe verringern, bis dass die Durchblutung des nachfolgenden Abschnittes so gest\u00f6rt ist, dass die entsprechenden Gewebe nicht mehr gen\u00fcgend versorgt werden und absterben.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-738\" src=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Asklerose.png\" alt=\"\" width=\"590\" height=\"579\" srcset=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Asklerose.png 590w, https:\/\/praxis-beylich.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Asklerose-300x294.png 300w\" sizes=\"(max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><br \/>\nAn welchen Stellen sich bevorzugt diese &#8222;Engstellen&#8220; bilden, ist von vielen Faktoren abh\u00e4ngig. Dazu z\u00e4hlen neben gewissen &#8222;Veranlagungen&#8220; insbesondere moderne Lebensweisen mit fettreicher Ern\u00e4hrung, Bewegungsmangel und Genu\u00dfmittelkonsum, um nur einige zu nennen. So entstehen dann Ver\u00e4nderungen in der Netzhaut, <a href=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/herzinfarkt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herzinfarkte<\/a>, <a href=\"https:\/\/praxis-beylich.de\/schlaganfall\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlaganf\u00e4lle<\/a> oder die typischen Durchblutungsst\u00f6rungen in den Beinen. Besonders tragisch ist in diesem Zusammenhang, dass Diabetiker ein vielfach h\u00f6heres Risiko haben, diese Erkrankungen zu entwickeln und diese dann auch noch dramatischer verlaufen als bei Nicht-Diabetikern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diabetes mellitus Der Diabetes mellitus geh\u00f6rt mittlerweile zu den h\u00e4ufigsten Zivilisationskrankheiten weltweit, und er ist auf dem besten Wege, in der Todesursachenstatistik die Nummer Eins zu werden. Nach internationalen Studien werden im Jahre 2030 weltweit etwa 552 Mio. Erwachsene an Diabetes erkrankt sein, was etwa 4,6 Mio. in Deutschland entspricht. 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